Informationen zum Hörscreening

Was versteht man unter NG-Hörscreening?

NG-Hörscreening bedeutet, dass jedes Kind nach seiner Geburt, möglichst noch in der Geburtseinrichtung eine Untersuchung des Hörvermögens erhält um eine angeborene Hörstörung auszuschließen.

In Deutschland besteht dazu seit Januar 2009 eine entsprechende Empfehlung durch den GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss).

Warum ist ein NG-Hörscreening notwendig?

Hörstörungen sind sehr häufig, etwa 1-2 von 1000 Neugeborenen leiden unter einem angeborenen Hörverlust.

Gering-bis mittelgradige Hörstörungen fallen in der Regel nicht gleich auf und werden im Durchschnitt erst im Alter von 36 Monaten diagnostiziert.

Da die kindliche Hör-u. Sprachentwicklung jedoch in den ersten Monaten besonders sensibel verläuft, ist eine sehr zeitige Diagnostik (bis zum 3. Lebensmonat) und Therapie (bis 6. Lebensmonat) für die Gesamtentwicklung des Kindes sehr wichtig.

Ein normales Hörvermögen ist die unbedingte Grundlage für:

  • eine regelrechte Sprachentwicklung und Kommunikationsfähigkeit
  • eine ungestörte intellektuelle und emotionale Entfaltung und soziale Reifung
  • für die spätere berufliche Entwicklung und Chancengleichheit.

Wie wird das NG-Hörscreening durchgeführt?

Zwei Untersuchungsmethoden stehen zur Verfügung.

Transitorisch evozierte Otoakustische Emissionen (TEOAE)

Über eine kleine im Gehörgang platzierte Sonde wird ein Ton gesendet. Bei normalem Hörvermögen wird dieser Ton von den Sinneszellen des Innenohres beantwortet. Die Antwort wird wiederum über die Sonde vom Screening-Gerät registriert.

Diese Untersuchungsmethode findet hauptsächlich beim Erstscreening seine Anwendung.

Automatisierte Hirnstammaudiometrie (AABR)

Hier wird dem Ohr wieder über eine Sonde ein Klickreiz angeboten. Über zuvor an den Kopf angeklebte Elektroden kann dann eine Antwort aus dem Bereich des Hirnstammes abgeleitet werden.

Diese Methode bietet den Vorteil auch Hörstörungen, die hinter dem Innenohr lokalisiert sind, zu erfassen und wird aus diesem Grund bei Risikokindern und zur Kontrolluntersuchung eingesetzt.

Screeningergebnisse

An Hand einer Screening-Untersuchung sind keine genauen Aussagen zum Hörvermögen des Kindes möglich!

Das Screening-Gerät zeigt zwei unterschiedliche Ergebnisse.

Pass unauffälliges Testergebnis- eine Hörstörung kann weitestgehend ausgeschlossen werden

Refer/ fail auffälliges Testergebnis ohne! Aussage, dass eine Hörstörung vorliegt. Eine Wiederholung der Untersuchung ist angezeigt!

Ursachen für auffälliges Testergebnis (refer, fail)

  • Verschmutzung des Gehörganges mit Käseschmiere
  • Fruchtwasser im Mittelohr
  • Laute Hintergrundgeräusche, bzw. Eigengeräusche durch Saugen und Unruhe des Kindes

Was tun bei wiederholt auffälliger Screening-Untersuchung?

Ist die Screening-Untersuchung in den ersten Tagen nach der Geburt immer wieder auffällig, sollte in den ersten Wochen eine Kontrolluntersuchung eingeleitet werden. Diese kann bei  einem spezialisierten HNO-Arzt erfolgen. Oftmals kann nach Reinigung des Gehörganges bereits ein unauffälliges Hörergebnis erzielt werden. Zeigt sich diese Kontrolle wiederum auffällig, sollte bei Zeiten eine pädaudiologische Diagnostik eingeleitet werden um den optimalen Zeitpunkt der Diagnosestellung bis zum 3. Monat nicht zu überschreiten.

Pädaudiologische Diagnostik und Therapie

Ziel der Diagnostik ist es das Ausmaß und die Art der Schwerhörigkeit zu ermitteln. Schalleitungsschwerhörigkeiten, meist durch permanent bestehende Mittelohrergüsse verursacht, sollten so zeitig wie möglich (ab 6. Monat) operativ therapiert werden.

Wird eine Schallempfindungsschwerhörigkeit diagnostiziert, deren Ursache in einer Störung des Innenohres besteht, wird eine Hörgeräteversorgung eingeleitet. Auch bei hochgradigen Schwerhörigkeiten, die früher zum Ausbleiben einer lautsprachlichen Entwicklung führten, ist eine Rehabilitation mit einem Cochlea Implantat möglich.

Voraussetzung für eine ungestörte altersgemäße kindliche Entwicklung ist jedoch immer eine frühzeitige Diagnostik und Therapie der Hörstörung und eine individuell ausgerichtete Rehabilitation und Frühförderung.

Link zur Frühförderung www.hoergerichtete-fruehfoerderung-sachsen-anhalt.de (muss noch eingerichtet werden)